Sigi Hagl, Landesvorsitzende der bayerischen Grünen besucht Kolbermoor

Wie kann Integration gelingen?

Sigi Hagl, Landesvorsitzende der bayerischen Grünen besucht Kolbermoor

Das Nebenzimmer beim Stadlerbräu in Kolbermoor war brechend voll, als Sigi Hagl, bayerische P1070398Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen auf Einladung des Ortsverbandes zum Thema „Wie kann Integration gelingen?“ referierte. Nein, es war kein „Referat“, sondern ein lebendiges Plädoyer für Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hagl an die Zuhörer: „Ich und wir Grünen verstehen unter Integration Teilhabe für Alle! Unter diesem großen Dach muss man es sehen, um den Zusammenhalt der Gesellschaft nicht zu gefährden. Der Entwurf der CSU-Staatsregierung für ein Integrationsgesetzes hat diesen Namen nicht verdient. Es ist vielmehr ein Ausgrenzungsgesetz geworden. Dabei ist Integration eine Daueraufgabe, an die man strukturiert herangehen muss. Denn Integration passiert nicht schnell, sondern ist ein Prozess. Sie findet in der Regel vor Ort statt, in Kitas und Kindergärten, in der Schule, in Vereinen, bei Arbeitgebern und in besonderem Maße bei den, oder besser durch die Helferkreise.“

Eine Mammutaufgabe der Zukunft werde die Beschaffung von bezahlbarem Wohnraum sein, nicht nur für Menschen mit Fluchthintergrund, sondern auch für Alleinerziehende, Rentner und Familien mit schwachem Einkommen. Die Grünen sind damit in Gesprächen mit dem Verband der Wohnungswirtschaft. Eine Ghettoisierung will niemand haben, logischerweise sollte daher der Bund für die Unterbringungskosten der Flüchtlinge aufkommen.

Hagl weiter: „Ganz wichtig ist die Integration durch Ausbildung, gestützt mit berufsbegleitendem Deutschunterricht, und Arbeit. Auch das wird dauern, sechs bis sieben Jahre sind dafür ein zu kalkulieren. Zwingend notwendig wären Deutschkurse von Anfang an und zwar für Alle!“

Anschließend schilderte Andrea Rosner, Kolbermoorer Stadträtin für die Grünen und stellvertretende Landrätin die Situation in der Region. P1070401Im Landkreis gibt es zur Zeit circa 3.300 Asylbewerber in 170 Einrichtungen. „Ich erlebe momentan zwei Welten. Dort wo es gut funktioniert, wie zum Beispiel in den Einrichtungen der Jugendhilfe und mit den vielen aktiven Helferkreisen der Bürgergesellschaft, die sich der Verantwortung für die größte Völkerwanderung seit dem 2. Weltkrieg stellen und dann das Gegenteil, wo Menschen Angst haben. Angst vor Fremden und vor dem Verlust der eigenen Traditionen. Ängste und Befürchtungen müssen ernst genommen werden, sie dürfen nicht in Hass umschlagen und die Gesellschaft spalten. Wir haben momentan eine Verschnaufpause was den Zustrom neuer Flüchtlinge anbelangt, aber keiner weiß, wie lange. In Kolbermoor ist die Flüchtlingssituation vergleichsweise moderat (hier gibt es keine Landkreis eigenen Turnhallen), trotzdem brauchen wir einen Kümmerer, d.h. eine/n Integrationsbeauftragte/n und das haben wir Grünen nun auch im Stadtrat beantragt. Ich hoffe, alle tragen diese Idee mit, über alle Parteigrenzen hinweg.“

 

Anschließend ergab sich eine lebhafte Diskussion. Von den zahlreich erschienenen Asylhelfer/innen kamen viele interessante Anregungen., z.B. bei der Integration mit den muslimischen Gemeinden vor Ort zusammen zu arbeiten.

 

Else Huber/Ralf Exler

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld